Archiv der Kategorie: sciencepolitics

Golfer leben länger – fröhliche Spaziergänger auch!

Anders Ahlbom et al. vom Karolinska Institutet in Stockholm nennen ihr Paper im Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports „Golf: a game of life and death – reduced mortality in Swedish golf players„. Bei Lichte betrachtet kommt die Studie, die die Sterblichkeit der 300’000 schwedischen Golferinnen und Golfer untersuchte, zum Schluss: Regelmässig spazieren gehen und dabei eine gute Zeit mit Freundinnen und Freunden verbringen, ist gut für die Lebenserwartung. Intuitiv leicht nachvollziehbar. Die Schlagzeile „Golf erhöht die Lebenserwartung“ verkürzt die Sache aber vielleicht etwas gar sehr… Denn zum Spazieren und Freunde treffen, muss ich ja nicht einem Golfclub beitreten. Ausser, dass der Rahmen des Golfclubs vielleicht hilft, tatsächlich das regelmässig zu tun, wovon wir wissen, dass es uns gut tut.

Der Fusionsreaktor? Vergiss den!

Der am 30.9.05 verstorbene Nuklearphysiker und Ingenieur William E. Parkins bringt’s in einem morgen postum in Science erscheinenden Artikel auf einer Seite auf den Punkt, warum der zum Zwecke der Stromerzeugung wirtschaftlich funktionierende Fusionsreaktor mit grösster Wahrscheinlichkeit bis in alle Zukunft eine Phantasie bleiben wird. Perkins arbeitete lange Jahre beim Technolgiekonzern Rockwell International, zuletzt als „Chief Scientist“. Rockwell und Dow Chemicals wurden übrigens vor wenigen Wochen zu $553 Millionen Busse verurteilt für den Schaden, den die von ihnen – zu unterschiedlichen Zeiten – betriebene Atomwaffenfabrik „Rocky Flats“ in ihrer Umgebung angerichtet hat: Sie hat tausende von Häusern in der Nähe von Denver mit Plutonium verseucht. Pikanterweise müssen aber nicht Dow oder Rockwell die Strafe zahlen, sondern der amerikanische Staat. Dies, weil die beiden Firmen die Atombombenfabrik im Auftrag des Department of Energy betrieben hätten. Schreibt jedenfalls „Chemical & Engineering News„. Vor diesem Hintergrund liest sich ev. die Skepsis von Perkins, Chefwissenschaftler eines in der Fissions-Energie engagierten Konzerns, gegenüber der Fusions-Energie etwas anders. Wie dem auch sei…

Ciba, Hitler, Sandoz, LSD, Glycoramin

1924 entwickelt Ciba Coramin und verkauft es als Kreislaufstimulans. 1938 versucht Albert Hofmann, das Ciba-Erfolgsprodukt Coramin (Nikotinsäure Diäthylamid) nachzubauen für seinen Arbeitgeber Sandoz unter Verwendung von Lysergsäure und stösst dabei auf das Lysergsäurediäthylamid, besser bekannt als LSD. Coramin verkauft sich gut und ist weitherum bekannt; sogar Hitlers Leibarzt Theodor Morell verschreibt es seinem Klienten. Gute 6 Jahrzehnte später ist Coramin, a.k.a. Nikethamid, immer noch in Gebrauch: 125 mg davon sind in Glycoramin zu finden, welches zu Beginn des 21. Jahrhunderts rückläufige Umsatzzahlen aufweist, weshalb Novartis 2006 das Produkt neu positionieren will, was aber etwas schräg rauskommt